Pogrom vom 9. November 1938
Die von der SA in Brand gesteckte Synagoge der jüdischen Gemeinde in Frankfurt
Fernschreiben der Gestapo

An alle Stapo(Staatspolizei)-Stellen und Stapo-Leitstellen
An Leiter und Stellvertreter

Dieses FS ist sofort auf dem schnellsten Wege vorzulegen!

1. Es werden in kürzester Frist in ganz Deutschland Aktionen gegen die Juden, insbesondere gegen deren Synagogen, stattfinden. Sie sind nicht zu stören, jedoch ist im Benehmen der Ordnungspolizei sicherzustellen, daß Plünderungen und sonstige Ausschreitungen unterbunden werden können.

2. Sofern sich in Synagogen wichtiges Archivmaterial befindet, ist dieses durch eine sofortige Maßnahme sicherzustellen.

3. Es ist vorzubereiten die Festnahme von etwa 20000-30000 Juden im Reiche. Es sind auszuwählen vor allem vermögende Juden. Nähere Anordnungen ergehen noch im Laufe dieser Nacht.

4. Sollten bei den kommenden Aktionen Juden im Besitz von Waffen angetroffen werden, so sind die schärfsten Maßnahmen durchzuführen. Zu den Gesamtaktionen können herangezogen werden Verfügungstruppen der SS sowie allgemeine SS. Durch entsprechende Maßnahmen ist die Führung der Aktionen durch die Stapo auf jeden Fall sicherzustellen.

Gestapo II Müller
Dieses FS ist geheim

(Zitiert nach Schoenberner: Der gelbe Stern, S. 12)

Michel-Nr. Israel 1110

Michel-Nr. DDR 997 Göring: Wie viele Synagogen sind tatsächlich niedergebrannt?
Heydrich: Es sind im ganzen 191 Synagogen durch Brand zerstört, 76 Synagogen demoliert, 7500 Geschäfte im Reich . . .
Goebbels: Da muß der Jude den Schaden bezahlen . . .
Heydrich: Sachschaden, Inventar- und Warenschaden schätzen wir auf mehrere hundert Millionen . . .
Göring: Mir wäre lieber gewesen, ihr hättet 200 Juden erschlagen und nicht solche Werte vernichtet.
Heydrich: 35 Tote sind es.
Göring: Ich werde den Wortlaut wählen, daß die deutschen Juden in ihrer Gesamtheit als Strafe für die ruchlosen Verbrechen usw. usw. eine Kontribution von einer Milliarde auferlegt bekommen. Das wird hinhauen.

Protokoll der Sitzung im Reichsluftfahrtministerium am
12. November 1938

In Wirklichkeit war die Zahl der zerstörten Synagogen weit höher, auch die Zahl der Opfer: 91 Tote und viele Schwerverletzte. Um den Auswanderungsdruck zu verstärken, wurden in den Tagen nach dem Pogrom über 26000 Juden verhaftet und in die KZs Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt.

Nun folgten die Gesetze Schlag auf Schlag. Juden durften städtische Parkanlagen und öffentliche Plätze nicht mehr betreten. Sie waren vom Besuch der Theater, Kinos, Konzertsäle und Museen ausgeschlossen. Ihre Kinder wurden von den Schulen verwiesen.

Sie verloren den Mieterschutz, sie durften keine Haustiere mehr halten, sie mußten ihr Vermögen anmelden, ihre Radioapparate und sämtlichen Schmuck abliefern. Sie durften nach 20 Uhr nicht mehr auf die Straße. Sie bekamen besonders gekennzeichnete Ausweise.

(Zitiert nach Schoenberner: Der gelbe Stern, S. 38)

Michel-Nr. DDR 3208
Geschändete Synagoge in München
Nach der Kristallnacht steigerte sich die Auswanderung, die seit dem Erlaß der Nürnberger Gesetze nicht mehr zugenommen hatte, zu einer Massenflucht. Hunderttausende flohen ins Ausland, um den Verfolgungen zu entgehen. Viele versuchten, auf gecharterten alten Dampfern nach Palästina zu gelangen. Aber manches Schiff fand keinen Hafen oder zerschellte nach wochenlanger Irrfahrt noch vor der rettenden Küste.
Michel-Nr. BRD 1389